Nicht nur Jetlag

13 February 2005
So ein paar Tage war ich auf dem anderen Kontinent. Ich durfte das Büro in Irvine, California besuchen, denn dort war ein netter Herr von Apple, der uns ein paar Dinge erzählt hat, die man wissen will, wenn man mit Macs und PCs in großen Netzen Dinge wie Active Directory nutzen will (oder muß). Aber von vorne: Am Montag flog ich mit der swiss über Zürich nach Los Angeles. Dabei hat mein kleiner Schutzengel
bei der Handgepäckkontrolle für etwas Aufregung gesorgt - insbesondere weil man mich nicht meine Tasche öffnen ließ, sondern sie noch drei mal durchs Röntgengerät schob. In der Aufregung hatte man dafür vergessen, mich meine Schuhe ausziehen zu lassen.

Das Inflight-Entertainment-System mußte zweimal gebootet werden. Hier konnte ich allerdings keine Pinguine bewundern, aber nach Windows sah der boot screen auch nicht aus. Ich konnte danach Ghost In The Shell 2 (Trailer) anschauen, den ich aber deutlich enttäuschend fand. Auf dem restlichen Flug habe ich mich Frank Schätzings Der Schwarm gewidmet, dass ich recht spannend finde, da es sich Mühe gibt, nur da wissenschaftlichen Spinnereien nachzugehen, wo man heutzutage eh noch nicht weiter weiß. Wer einen schönen Weltuntergang lesen will, dem sei dieses Buch anempfohlen.

In Los Angeles angekommen, war das nächste Problem die Weiterreise nach Irvine. Schließlich entschloß ich mich, es mit Super Shuttle zu versuchen, was mich schlappe 32 Dollar kostete (Eine Busverbindung gab es laut der Dame von der Touristeninformation nur via Disneyland und hätte minimum 4 Stunden gedauert. Selbst der halsbrecherisch fahrende Shuttle-Fahrer brauchte fast zwei Stunden, mußte allerdings auch einen Haufen Leute zwischendurch absetzen, wobei ihm die Ortskundigkeit eines Fahrgastes sehr zugute kam).

Ach so - irgendwie hatte ich es geschafft, zwischen der Gepäckausgabe und dem Shuttlebus meine Brille zu verlieren, also durfte ich die folgenden vier Tage (und Nächte) mit meiner Sonnenbrille rumlaufen, was mir insbesondere am zweiten Abend im mexikanischen Restaurant einige seltsame Blicke von Außestehende einbrachte.

Für mich war außerdem interessant, mal einige Leute zu Gesicht zu bekommen, die ich eigentlich nur vom Telefon kenne. Wenn die Stimmen auf einmal Gesichter bekommen, kann das sehr erhellend sein. Dass wir alle Geeks sind, hat man schnell gemerkt. Dass es um Macs geht, hat man gesehen, als wir alle mit unseren laptops am Tisch saßen (nur eines wurde nicht von einer in Cupertino ansässigen Firma gebaut). Und auch außerhalb der sehr kompakten zwei Tage wurde viel über technischen Kram, über die Firma, und kaum über anderes gesprochen. Abgesehen von den gemeinsamen Abendessen war aber auch wenig Zeit für Persönliches, und das eine oder andere kam schon zur Sprache.

Irgendwie war dann auch die Zeit um, und Steve, ein Kollege, brachte mich auf seinem Heimweg zum Flughafen, und ich schaffte es, nichts zu verlieren. Allerdings schenkte mir ein Freund des Yoga ein Buch, dass er gegen ein kleineres tauschen wollte, als ihm meine Spende für arme Waisenkinder nicht großzügig genug erschien. Ich nahm also das kleine Heftchen mit, hauptsächlich wegen der bunten Bilder.

Dann wieder Check-In am Flughafen, wo mein Gepäck geröngt und zum Schalter eskortiert wurde. Bei der Kontrolle des Handgepäcks gab es wieder eine keine Pause, aber die Amis erkennen einen Engel, wenn er ihnen erscheint. Vor dem Einsteigen las ich ein bißchen weiter im Schwarm. Ein älterer Herr bat mich, auf sein Gepäck aufzupassen, und ich fragte ihn, warum er glaubte, mir vertrauen zu können. Nach kurzem Überlegen sagte er "Because You read", und eine kurze Unterhaltung über das Buch entspann sich. Dann paßte ich brav auf sein Gepäck auf, und wurde auch nicht von der Gepäck-Polizei verhaftet.

Der Flug selbst war am Anfang ein bißchen rucklig, weswegen der Abend-Cocktail (den gibts auf den Nachtflügen wohl) ausfiel. Auf diesem Flug hörte ich ein paar CDs durch (Massive Attack, Alicia Keys, Annett Louisan), und sah das amerikanische Remake von Taxi, dass meiner Gesamtmüdigkeit entsprechend durchaus unterhaltsam war. In Zürich dann durfte ich bei der erneuten Handgepäck-Kontrolle diesmal selbst meinen Schutzengel auspacken, und wartete kaum zwei Stündichen auf den Weiterflug.

Alles in allem waren es fünf aufregende, vollgepackte Tage. Wenn ich das nächste Mal den Kontinent verlasse, werde ich dafür sorgen, dass ich mehr als nur den Flughafen, den Highway, das Hotel, und das Büro sehe.

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