Die Indies entdecken Zufallstabellen neu

08 April 2008
Ich hab ja aufgrund einiger lustiger Diskussionen in verschiedenen Foren doch mal die 10$ für eine Digitalkopie von In a Wicked Age ausgegeben.

36 Seiten, sehr erzählspielig, für meinen Geschmack zu wenig Struktur, der Halt gibt.

ABER: Was mich wirklich fesselt, obwohl ich das Spiel doof finden wollte, sind die Orakel. Das sind glorifizierte Zufallstabellen, die in diesem Fall aber nicht nur die Situation generieren, in der man spielt, sondern auch die Charaktere suggeriert, die es zu spielen gilt.

Die halbe Indie-Welt ist derzeit dabei, eigene Orakel zu schreiben – gespielt wird das Spiel aber nicht so häufig, gerüchtet es. Ich hab eine dreckige Übersetzung der Orakel hingerotzt, weil sie mich nicht losgelassen haben – allerdings in Vorbereitung einer Testrunde, die ich Freitag auf der Wolke leiten werde.

Danach kann ich mehr sagen.

Vorläufig ist meine Meinung aber: Orakel, schön und gut, Situation Generator und Proto-Lifepath in einem, auch die Best Interests (Spielhilfe hier) als Mittel, die Charaktere und NSCs zu verknüpfen und gegeneinander aufzustellen, gefallen mir. Letztlich ist es nichts anderes als eine Story-Map/R-Map, aber sie ist gut untergebracht.

Das 'System'… da spiel ich lieber gleich DRASTIC – oder gieße die Ergebnisse in ein 'klassisches' Regelkorsett, das mir wenigstens Halt gibt.

Enttäuscht bin ich auch von der Textqualität. Mit Dogs in the Vineyard hatte Vincent Baker eines der am besten geschriebenen Regelwerke die ich kenne abgeliefert, In a Wicked Age verliert sich ein im vertraulichen Ton und den Beispielen, ohne die Regeln klar abzusetzen. Ein Freiwilliger hat ein Regeldiagramm verfaßt, das den Ablauf ganz gut wiedergibt, auch wenn es auf den ersten Blick wirr aussieht.

Ich bin also 'unterwältigt', eigentlich habe ich mehr erwartet. Wenn die Best Interests-Geschichte im Hauptwerk landeten und die Regeln klarer erläutert würden, wäre ich vielleicht eher geneigt, das Spiel nicht 'zusammengestoppelt' zu finden. Um das Geld ist es mir nicht schade, ich hab schon deutlich mehr Kohle für schlechte Kinofilme investiert, aber entweder ist das Teil wirklich unfertig, ich bin zu doof für die Genialität dieses Spiels, oder meine Prioritäten wandeln sich.

The Trip, Etappe 5, 6, 7

05 April 2008
Der Flug nach new York war spät aber unspektakulär. Die Stadt am Hudson ist aber deutlich beeindruckender als Bay City – zumindest von der Größe her. In San Francisco muß man wahrscheinlich etwas länger sein, New York tritt einem gleich die Tür ein und sagt, was Sache ist.

Früh am Morgen war unsere einzige Bleibe das Office – sehr spannend, so einen großen Laden quasi ohne Personal zu sehen, schließlich war ja Wochenende. Gegen Mittag konnten wir dann unsere Bleibe beziehen – ganz schick, mit Blick auf den erwähnten Hudson, und allen Annehmlichkeiten die man so braucht; darüberhinaus sogar eine Waschmaschine. Ein Traum.

Der Sonntag war mit New York im Laufen kennen lernen gefällt, und am späten Nachmittag geschah, was geschehen muß, wenn ich in den USA bin: Brille verloren. Mist. Also erstmal nur mit Sonnenbrille unterwegs gewesen.

Pretty Fly for a White Boy, hmm?


Am Montag lernen mich die Kollegen also als den Typen mit der Sonnenbrille kennen,
bis zum Abend jedoch habe ich eine Ersatzbrille organisiert (Foto lasse ich zum Schutz der Allgemeinheit mal aus), und so füllt sich die Woche mit Kennenlernen, über Projekte sprechen, am Donnerstag Offsite mit Bowling – für mich das erste Mal! – und Freitag schließt die Woche ganz entspannt. Wir haben es nicht übertrieben, und können uns so Samstag ganz in Ruhe noch das Empire State Building anschauen, bevor wir mit einem Haufen Gepäck in die Schweiz zurückkehren.

Das war schon eine tolle Reise – viel gesehen, viele Leute kennengelernt, und viel erlebt und gelernt.
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