An
verschiedenen Stellen wurde mehr oder weniger direkt Kritik am Odyssee-Con geübt. Ich will die ganzen Argumente gar nicht wiederholen; mir geht es um etwas, was mir beim Sinnieren dazu eingefallen ist…
Die Frage ist nicht, ob ein Con heutzutage überflüssig ist oder nicht. Die Frage ist, ob ein Conmodell, dass aus einer Zeit vor massiver Vernetzung und ungezählten Informationsquellen (
Foren,
Blogs,
Shop-,
Verlags- und
Rezensionsseiten, ja sogar das
USENET zählt noch), überhaupt überlebensfähig ist.
Früher war es wichtig, die Leute zusammenzubringen, neue Spiele oder Spielweisen zu präsentieren und kennenzulernen, unbekanntes in den Kisten der Händler zu erstöbern, hier und da
ein Fanzine abzugreifen – schlichtweg, mit neuen Inspirationsquellen wieder nach Hause zu kommen.
Damals gierte man nach Podiumsdiskussionen, Versteigerungen, Liederabenden mit Filk-Songs; dem, was man ganz allgemein als „Rahmenprogramm“ bezeichnet. Essen und Schlafen waren nachgeordnet, weil man auf den ganzen anderen Kram brannte. Heute gibt es Karussel- und Biete-Threads und
Youtube-Video-Trailer, die das gleiche liefern, ohne dass man im Zweifel neben Cat Piss Men sitzen muß, die einem durch unqualifizierte, unbedachte und überflüssige Kommentare die Show versauen.
„Wieso gehst Du eigentlich auf Cons?“ muß ich mich wahrscheinlich fragen lassen. Aber ich bin von der alten Garde, bei mir weckt das noch Begeisterung, ich treffe dort Leute, deren Gesichter ich endlich mal (wieder) sehen will; ich schöpfe aus der Erfahrung mit anderen Leuten am Tisch anders als aus Forendiskussionen; eine Live-Darbietung von "Roll High" finde ich auf ganz anderer Ebene spannend als den
Dogs in the Vineyard-Flash-Trailer.
Mein Fazit: Cons müssen heutzutage eben auch oder insbesondere bei den früher nebensächlichen Dingen
erstklassig sein: Bei der Unterkunft, beim Essen, bei der Diskussionsführung. Denn sonst bleiben die Leute zu Hause, spielen ihren Kram und surfen ein bißchen im Netz, wenn sie Fragen haben. Einseitig? Vielleicht. Aber wenn man den Leuten nichts anbietet, was nur auf einer Convention geht (Das Memento-Bühnen-Rollenspiel des Odyssee-Con zum Beispiel funktioniert nur mit, bzw. für Publikum), dann… ja dann bleiben sie eben daheim.
Die Wolke zeigt, wie es geht.